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Forschungsprojekte

Aktuelle Projekte

1. „Überzeugungsstrategien in politischen Entscheidungs- und Reformprozessen“

Überzeugungsstrategien sind ein zentraler Faktor für den Erfolg politischer Entscheidungsprozesse. Ins¬besondere in Reformprozessen fallen persuasiven Strategien eine herausragende Rolle zu, da sich konservativ-bewahrende Positionen gegenüber Reformbefürwortern im Vorteil befinden und für Reformen eine signifikant höhere Überzeugungsleistung erbracht werden muss als für die Beibehaltung des Status quo („status quo bias“). Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg gewinnen die Kommunikationsfähigkeit politischer Akteure und die Wirkung persuasiver Strategien an Bedeutung für die Wettbewerbs-, Reform- und Handlungsfähigkeit gegenwärtiger Mediengesellschaften. Im Zuge dieser Krise ist zudem eine grundlegende Veränderung von Kommunikationsmustern feststellbar, die bis hin zu einer kritischen Hinterfragung bzw. einer Ablösung bisher akzeptierter Paradigmen der Wirtschaftspolitik reichen. Der Prozess des Überzeugens ist dabei nicht als ein herrschaftsfreier Diskurs im Habermas’schen Sinne zu verstehen, sondern als ein an die institutionellen Rahmenbedingungen, die Ressourcenausstattung, die Präferenzen der Akteure und die bestehenden Machtstrukturen gebundener Prozess. So ist bei gegebener Vetospielerstruktur eines Landes – ceteris paribus – eine erfolgreichere Reformpolitik dort zu erwarten, wo die kommunikative Überzeugung der individuellen und kollektiven Vetospieler besser gelingt. Aus diesem Grund fokussiert das Projekt nicht nur auf die Effekte bzw. die Veränderungen von Überzeugungsstrategien, sondern ebenso auf die Determinanten für den Erfolg bzw. Misserfolg von Persuasionsstrategien.
Das Projekt umfasst zwei Teilbereiche, die inhaltlich verschiedene Politikfelder und geographische Räume abdecken. Methodisch kommen sowohl qualitative als auch quantitative empirische Instrumente sowie deren Kombination zur Anwendung. Konzeptionell werden die verschiedenen Teilbereiche entlang der Dimensionen „Vetospielerstruktur“ (hohe versus niedrige Zahl) und „politischer Entscheidungsmodus“ (direktdemokratisch versus parlamentarisch) verortet. Dieser mehrdimensionale Ansatz erlaubt es, die Variationen und Gemeinsamkeiten, die Erfolgsbedingungen sowie die Wirkungen von Überzeugungsstrategien in politischen Entscheidungs- und Reformprozessen systematisch und theoretisch kontrolliert zu analysieren.
Im Mittelpunkt steht als Untersuchungsgegenstand die Europäische Integration.

Zur Bearbeitung dieses langfristigen Projektes wurde Prof. Wagschal ab Oktober 2011 für die nachfolgenden 1,5 Jahre ein FRIAS-Fellowship als Senior an der History School des FRIAS zuerkannt.

www.frias.uni-freiburg.de

 

2. Das Debat-O-Meter: Virtualisierte, webbasierte Real-Time-Response-Messung

Live im Fernsehen ausgestrahlte Debatten zwischen politischen Spitzenkandidaten („TV-Duelle“ oder „Elefantenrunden“) sind ein augenfälliges Kennzeichen massenmedial vermittelter Demokratien. Sie erreichen regelmäßig eine große Anzahl an Wahlberechtigten und fokussieren den Wahlkampf auf einen einzelnen Abend, an dem die Kandidaten alle größeren Themen diskutieren. Damit können sie als eine Art „Wahlkampf im Miniaturformat“ gelten, der zum einen viele unentschlossene Wähler erreicht und zum anderen für weniger an Politik interessierte Zuschauer eine relativ umfassende – mitunter die einzige – Quelle direkter Wahlkampfinformationen darstellt. Daher haben Debatten einen großen Anteil an der Verbreitung politischer Informationen in der Öffentlichkeit und zudem das Potential, politisches Wissen und Partizipation zu stärken sowie Wahlentscheidungen zu beeinflussen.
Die wissenschaftliche Forschung zu TV-Debatten basiert vielfach auf Real-Time-Response-Messung (RTR), bei der physische Geräte verwendet werden, mit denen Zuschauer die Debatte während der Austragung live bewerten können. Durch ihre detaillierte Datenstruktur haben RTR-basierte Arbeiten in hohem Maße zum derzeitigen Verständnis von Debatteneffekten beigetragen. Gleichwohl ist die Technik aber durch ihre Abhängigkeit von (teuren) Geräten auf Forschung unter Laborbedingungen mit vergleichsweise geringen Teilnehmerzahlen beschränkt, sodass Feldstudien bisher nicht möglich waren. Hinzu kommt, dass eine repräsentative Abbildung der Bevölkerung unter diesen Bedingungen schwierig ist, beispielsweise im Hinblick auf das Interesse für Politik und dass die Teilnehmer die Diskussion nicht in ihrem privaten Umfeld verfolgen, sondern unter deutlich veränderten Bedingungen im Labor. All dies schränkt derzeit noch ein, wie weit die im Labor beobachteten Effekte auf alltägliche Situationen übertragbar sind.
In diesem interdisziplinären Projekt mit dem Institut für Informatik (Lehrstuhl für Rechnerarchitektur, Prof. Dr. Becker; https://ira.informatik.uni-freiburg.de/src/team_view.php?teamID=4) entwickelt das Projektteam das Debat-O-Meter (www.debatometer.com), eine Webapplikation für Smartphones und Tabletcomputer, welche Teilnehmern die Möglichkeit gibt, TV-Debatten von zu Hause aus in ihrer „natürlichen“ Umgebung zu bewerten. Das Debat-O-Meter besteht aus einem System zur Real-Time-Response-Messung (RTR) in Kombination mit Modulen zur Instruktion des Publikums zu Hause und zum Sammeln von Umfragedaten. Im Kombination mit einer Website für die Benutzerregistrierung und einem Online-Modul zur interaktiven Datenanalyse zielt das Debat-O-Meter sowohl darauf ab, eine umfangreiche Messung von Zuschauerreaktionen für die Nutzung in der wissenschaftlichen Forschung zu realisieren als auch eine Second-Screen-Situation für die Teilnehmer zu schaffen, in der sie die Möglichkeit haben, einerseits mit der Debatte zu interagieren und andererseits von den Ergebnissen der Datenanalyse zu profitieren. Eine vom Internet unabhängige Version des Debat-O-Meters ist ebenfalls Teil des Projektes.
Das Debat-O-Meter zielt darauf ab, die durch die physischen Geräte bedingten Einschränkungen von RTR-Messungen zu umgehen, indem das Labor verlassen und die Möglichkeit geschaffen wird, Individuen in ihrer „natürlichen Umgebung“ zu befragen, in der TV-Debatten normalerweise verfolgt werden. Durch die Virtualisierung des Messinstruments ist die schnelle und unproblematische Implementierung von Benutzeroberflächen möglich, die speziell darauf abgestimmt sind, alternative Debattenformate, wie z.B. Gruppendiskussionen, zu erfassen, was mit der konventionellen RTR-Technologie normalerweise nicht möglich ist.

 
Weitere Informationen finden Sie unter www.debatometer.com
 
Das Debat-O-Meter Projekt ist zum Teil finanziert durch den „Research Innovation Fund 2016“ der Universität Freiburg zur Unterstützung von Vorarbeiten und der Erstellung eines Drittmittelantrages.
 
Projektleitung: Prof. Dr. Uwe Wagschal und Prof. Dr. Bernd Becker
 
 

3. Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg und ihre Wahrnehmung durch kommunale Entscheidungsträger

Förderung durch: Baden-Württemberg Stiftung

Laufzeit: November 2016 - November 2018

Das Forschungsprojekt Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg beschäftigt sich mit der Wahrnehmung kommunaler Entscheidungsträger bezüglich formalisierten und nicht-formalisierten Bürgerbeteiligungsverfahren.

Mit Blick auf die Fallzahlen sind es vor allem neue Formen der Bürgerbeteiligung wie Bürgerhaushalte, Bürgerdialoge, Bürgergutachten und Planungszellen oder auch Online-Beteiligungsverfahren, die die partizipative Lebensrealität der Bevölkerung und der politischen Eliten vor Ort prägen. Die Hoffnungen, die sich mit diesen Verfahren verbinden, sind vielfältig: Mehr Transparenz, mehr demokratische Qualität, höhere Partizipation und bessere Legitimation von Entscheidungsprozessen.

Zwar ist der Wunsch nach direkter Demokratie und der Ausbau der Volksrechte in zahlreichen empirischen Studien nachgewiesen worden, doch ist bisher unklar, ob kommunale Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger ebenfalls eine solch starke Präferenz für den Ausbau von Bürgerbeteiligungsverfahren aufweisen. Um diese Gruppe der kommunalen Akteure und ihre Einstellung zu Verfahren der direkten und partizipativen Demokratie soll es in dem empirisch-quantitativen Forschungsvorhaben gehen. Das Drittmittelprojekt im Rahmen des Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg 2016/2017 befragt mittels Online-Survey alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landes sowie eine Stichprobe aus Gemeinderätinnen und Gemeinderäten.

Bei Rückfragen schreiben Sie an folgende E-Mail-Adresse: kommunalpolitik@politik.uni-freiburg.de.

 

Abgeschlossene Projekte

1. Lehrforschungsprojekt „Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg“

Im Rahmen des Wahlforschungsprojektes des Wahlforschungsseminars von Prof. Wagschal führten Studierende im Frühjahr 2011 eine Umfrage zur Landtagswahl am 27. März durch. In der Umfrage, die in Zusammenarbeit mit der Badischen Zeitung entstand, wurden im Zeitraum vom 31.01.2011 bis 22.02.2011 rund 1300 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte in Baden-Württemberg telefonisch befragt. Damit war die Umfrage eine der größten Repräsentativbefragungen zur politischen Situation im Land seit 10 Jahren.
Am 26.02.2011 und 28.02.2011 wurden Teile der vielfältigen Ergebnisse in der Badischen Zeitung veröffentlicht. Unter folgender Webseite finden Sie weitere Informationen zum Projekt. Dort wird auch ein Teil der Befunde zur Verfügung gestellt.
www.landtagswahl-umfrage.de

  

2. Forschungsprojekt: Innere Sicherheit als Staatstätigkeit (Dr. Georg Wenzelburger)

Während die Politische Philosophie spätestens seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 das Thema der Inneren Sicherheit und das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit verstärkt diskutiert (dazu auch die Forschung der Professur für Politische Theorie), hat sich die vergleichende Staatstätigkeitsforschung bisher nur rudimentär mit dem Politikfeld der Inneren Sicherheit befasst. Während sich die (us-amerikanische) kriminologische Forschung verstärkt auch komparativ der Untersuchung von Kriminalität und damit auch von Innerer Sicherheit nähert, sind empirisch gesättigte vergleichende Studien aus politikwissenschaftlicher Perspektive selten. Das Forschungsprojekt stößt in diese Lücke und untersucht wie sich die Politik der Inneren Sicherheit in vergleichender Perspektive darstellt und wie sich unterschiedliche nationale Policy-Pfade in verschiedenen Ländern erklären lassen. Der Fokus liegt dabei auf den westlichen Industrienationen. Methodisch verbindet das Forschungsprojekt quantitative und qualitative Methoden und arbeitet mit Individual- sowie Aggregatdaten.
Das Forschungsprojekt ist als Habilitationsvorhaben angelegt auf einen Zeitraum von fünf Jahren (ab Herbst 2010 bis 2015). Zum 1.10.2013 ist das Vorhaben für den Zeitraum von 30 Monaten (bis März 2016) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

 

 

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