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Forschungsschwerpunkte der Professur von Prof. Dr. Jürgen Rüland.

Globale und regionale Steuerungsprozesse und Institutionen

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses an der Professur steht die theoriegeleitete und methodisch fundierte Untersuchung von Genese, Evolution, Wandel und Leistungsfähigkeit multilateraler internationaler Institutionen. Diesen wird ein besonderer Stellenwert bei der friedlichen Bearbeitung globaler Probleme durch kollektives Handeln beigemessen. Das Forschungsinteresse konzentriert sich dabei neben Institutionen globaler Reichweite wie den Vereinten Nationen und der Welthandelsorganisation (WTO) vor allem auf den „Neuen Regionalismus“ und interregionale Kooperationsforen wie das Asia-Europe-Meeting (ASEM) und die Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) als neuen Phänomenen der internationalen Politik. Geographischer Schwerpunkt der Untersuchungen sind der asiatisch-pazifische Raum und die dort in den letzten Jahrzehnten entstandenen regionalen Kooperationsverbünde wie die Association of Southeast Nations (ASEAN), ASEAN Plus Three (APT), das ASEAN Regional Forum (ARF), die Shanghai Cooperation Organization (SCO), den East Asian Summit (EAS) und die Closer Economic Relations (CER). Aufgrund ihres Modellcharakters für die Süd-Süd-Kooperation gilt dabei der ASEAN die größte Aufmerksamkeit. Darüber hinaus sind die Europäische Union (EU), die South Asian Association of Regional Cooperation (SAARC), der Southern African Development Council (SADC), Mercosur und der Ostseerat Untersuchungsgegenstand. Dahinter steht das Ziel, die aus empiriegesättigten Einzelfallstudien gewonnenen Erkenntnisse zu einer komparativen Regionalismusforschung zusammenzuführen. In der Theorienbildung wird dabei versucht Brücken in zweierlei Hinsicht zu schlagen: Zum einen zwischen den herkömmlichen Theorienansätzen der Internationalen Politikforschung und einer für kulturelle Unterschiede aufgeschlossenen Area Study-Perspektive, zum anderen angesichts zunehmend verschwimmender Grenzen der politikwissenschaftlichen Teildisziplinen zwischen Internationaler Politikforschung und Comparative Government-Studien. 

Sicherheitspolitik

Einen zweiten Themenschwerpunkt bilden neue Bedrohungsszenarien und nicht-konventionelle grenzüberschreitende Sicherheitsrisiken wie Umweltprobleme, irreguläre Migration, ethno-religiöse Konflikte, internationaler Terrorismus und transnational organisiertes Verbrechen. Das Erkenntnisinteresse richtet sich dabei vor allem darauf, wie staatliche Akteure auf diese Veränderung von Bedrohungsszenarien und den damit verbundenen Wandel der Sicherheitskonzepte von nationaler Sicherheit zu umfassender, kollektiver, kooperativer und menschlicher Sicherheit reagieren. In Studien zu Südostasien werden nicht-konventionelle Sicherheitsbedrohungen wie durch Wildfeuer erzeugter Haze, irreguläre Migration, internationaler Terrorismus und separatistische Konflikte untersucht. Um die Befriedung von Nachkriegsgesellschaften geht und ging es in Untersuchungen zu Nordirland und Ex-Jugoslawien. In einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt zum Thema „Restorative Justice als Interventionsansatz ziviler Konfliktbearbeitung in Nachbürgerkriegsgesellschaften: Eine Fallstudie zu Nordirland“ werden neue, auf zivilgesellschaftlichen Initiativen aufbauende Ansätze der Konfliktmediation untersucht.

An der Schnittstelle von Internationaler Politik, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, Friedens- und Demokratisierungsforschung liegen Forschungen zur parlamentarischen Kontrolle des Sicherheitssektors. In einem von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) geförderten Forschungsprojekt wird danach gefragt, unter welchen Bedingungen, in welchem Umfang und mit welchen Strategien die Parlamente Indonesiens und Nigerias einen Beitrag zur zivilen Suprematie über das Militär und zur demokratischen Kontrolle potentieller Vetospieler zu leisten in der Lage sind.

Entwicklungspolitik

Entwicklungspolitische Studien erfreuen sich einer langen Freiburger Tradition, die bis in die Gründungszeit des Seminars für Wissenschaftliche Politik in den 1950er Jahren zurück reicht. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich unter Globalisierungsbedingungen die Anforderungen an die Entwicklungshilfe als einer Form zwischenstaatlicher Kooperation rasch verändern. Dies schließt Fragen nach den institutionellen Voraussetzungen, dem interkulturellen Konfliktpotential, den Instrumentarien und den theoretischen Grundlagen der Entwicklungspolitik ein. Besonderer Stellenwert wird an der Professur allerdings konkreten entwicklungspolitischen Problemfeldern zugemessen. Zentral sind hier vor allem Arbeiten im Bereich der Demokratisierungs- und Transitionsforschung, der Dezentralisierung, Stadtentwicklung und Kommunalpolitik sowie Beiträge zur Good Governance-Thematik und zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure im Entwicklungsprozess. Die entwicklungspolitischen Forschungen der Professur werden teilweise in Kooperation mit dem Freiburger Arnold-Bergstraesser-Institut durchgeführt.

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